„Die grossen Technologieunternehmen sind auch Medieninhaber.“

In einer technologieorientierten Welt sagt Martin Sorrell, CEO von WPP, den Kommunikationsagenturen eine steigende Bedeutung voraus.

Sir Martin Sorrell, hat auf der New Yorker Konferenz IAB MIXX seine Ansichten zur digitalen Medienlandschaft erläutert. Eines seiner Hauptargumente: dass Technologieunternehmen auch im Mediengeschäft mitwirken.

Nun ist das nichts Neues mehr, schliesslich finanzieren sich Facebook und Google hauptsächlich durch Werbung. Doch Sorrell erinnert sich daran, wie er auf einer Branchenveranstaltung von Vertretern namhafter Technologieunternehmen wissen wollte, ob sie sich als Medien- oder Technologieunternehmen verstehen. Eine Frage, die bei solchen Führungskräften nicht besonders gut anzukommen scheint. Sie antworteten ausnahmslos mit Technologie, doch Sorrell sieht das anders: «Das ist natürlich nicht richtig. Unserer Ansicht nach sind sie alle zu einem gewissen Grad Medieninhaber.»

Für das Geschäft von WPP ist das besonders wichtig, so Sorrell, «weil Sie Ihren Medienplan ja auch keinem Inhaber bestehender Medien anvertrauen würden», warum dann also auf Facebook oder Google vertrauen? «Google verkauft Google, Facebook verkauft Facebook und Twitter verkauft Twitter. Sie sind nicht unabhängig. Aber wir sind es.» Mit anderen Worten: Die Technologiesparte kann zwar neue Werbeplattformen schaffen, doch müssen die Unternehmen nach wie vor mit Agenturen zusammenarbeiten: «Je komplizierter es wird, desto mehr gewinnen wir an Bedeutung.»Später kam er noch einmal auf diesen Punkt zurück, als Interviewer Randall Rothenberg ihn zu dem Umstand befragte, dass Facebook oder Google «agenturähnliche Services» in ihr Portfolio aufnehmen. Sorrell konterte: «In unserem Bereich ist für sie nicht viel zu holen. Sie haben grössere Fische am Haken und ihr Vertriebsapparat steht unter hohem Druck.»

Die Bezeichnung «Werbung» gefällt Sorrell nach eigenen Aussagen nicht. Sein Einwand? Dass die Menschen dabei an die Welt von Don Draper aus der US-Serie Mad Men m denken, wogegen die Branche doch längst «über diese Anfänge hinausgewachsen ist». Seiner Ansicht nach wäre Don Draper lediglich mit dem Geschäftsmodell vertraut, dessen Anteil 4 Mrd. $ am WPP-Umsatz ausmacht, die übrigen 14 Mrd. $ stammen aus neuen Bereichen.

Sorrell fügt hinzu, dass WPP und seine Wettbewerber sich nach anderen Umsatzquellen umsehen müssen, weil die Konsumgüterhersteller, die Werbung schalten, jetzt mehr auf ihre Ausgaben achten müssen, aufgrund der relativ geringen Preisinflation für die Verbraucher verglichen mit den Rohstoffpreisen. «Das setzt uns als Teil der Lieferkette stark unter Druck», so Sorrell.

Auf die Frage, wie es nun weitergehen solle, antwortete Sorrell: «Die Standardantwort wäre hier Mobile und Daten.» Stattdessen verwies er lieber auf die Erfolge chinesischer Unternehmen wie Alibaba, Baidu, Tencent und Xiaomi. «Wenn Sie mich fragen würden, was das nächste grosse Ding wird, würde ich antworten: chinesische Geschäftsmodelle», teilt er mit. «Wir im Westen denken, wir hätten diese Weisheit für uns gepachtet, aber dem ist nicht so.»

Der Artikel ist im Original auf Techcrunch veröffentlicht worden.

 

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