Digitale Publikationen für das iPad erstellen mit Apple iBooks Author

By 16. Oktober 2013Mobile, Technologie

Ein wesentlicher Teil des digital publizierten Contents wird nicht in Form von Webseiten, sondern als elektronische Dokumente bereitgestellt. Das mit Abstand populärste Format ist dabei das von Adobe entwickelte PDF. Sein grösster Vorteil besteht darin, dass es eine gedruckte Publikation 1:1 auf einen Bildschirm bringt; damit wird aus einer Broschüre, einem Geschäftsbericht, einer Zeitschrift oder einer Fachpublikation im Handumdrehen ein digitales Dokument. Allerdings bieten starr gelayoutete Inhalte kein optimales Leseerlebnis auf Bildschirmen, insbesondere nicht auf den vergleichsweise kleinen Screens von Smartphones und Tablets. Auch die Präsentation der PDFs als Flash- oder HTML5-Flipbooks (z.B. mit Issuu, 3D Issue, Yudu, Calaméo) löst dieses Problem nicht.

Besonders wenn es um umfangreiche, textlastige Dokumente geht, welche der Leser nicht nur punktuell konsultieren, sondern komplett durchlesen soll, dann sind E-Books eine gute Alternative zu PDF-Dokumenten. Ähnlich wie Responsive Websites verfügen E-Books im EPUB- oder Kindle-Format nämlich über dynamische Layouts, welche sich automatisch dem jeweiligen Bildschirm anpassen. Zeilen- und Seitenumbrüche werden hier also nicht von einem Layouter vordefiniert, sondern das Lesegerät erledigt dies on the fly. Dabei werden auch gewisse Präferenzen des Lesers bezüglich Schriftgrösse, Zeilenabstand und Spaltenbreite berücksichtigt. Das Resultat ist oft nicht besonders ästhetisch, aber dafür ergonomisch. Und gerade für Belletristik und Fachbücher ist dies letztlich entscheidender als die perfekte Präsentation, wie sie Buchgestalter, CI-Verantwortliche oder visuelle Gestalter anstreben. Die Akzeptanz der Leserschaft zeigt sich nicht zuletzt in den Verkaufszahlen: In den USA machen E-Books bereits einen Viertel aller Buchverkäufe aus. Wenn Content also den Weg auf die E-Ink-Readers oder Tablets der Zielgruppe finden soll, dann müssen die Publishers mit den eingeschränkten Gestaltungmöglichkeiten der E-Books leben lernen.

Solange man Inhalte „nur“ für das iPad bereitstellen möchte (und bei über 100 Mio. verkauften Einheiten weltweit bzw. über 1 Mio. in der Schweiz ist dies durchaus eine Überlegung wert) hat man eine weitere Möglichkeit: Apples proprietäres Format für digitale Lehrmittel verbindet Design und Ergonomie auf einzigartige Weise. Diese iBooks Textbooks bieten zudem die Möglichkeit, multimediale und interaktive Elemente einzubinden. Es liegt deshalb nahe, dieses Format nicht nur für Lehrmittel, sondern auch für digitale Publikationen im Umfeld der Marketing-Kommunikation zu nutzen, etwa für Kundenzeitschriften, Broschüren, Whitepapers und Studien. iBooks Textbooks werden ausschliesslich mit der Software iBooks Author erstellt, welche kostenlos verfügbar ist. Im Gegenzug verlangt Apple, dass kostenpflichtige iBooks Textbooks ausschliesslich über den iBookstore verkauft werden, wobei Apple 30 Prozent des Verkaufspreises erhält. Kostenlose Publikationen hingegen können über beliebige Kanäle distribuiert werden.

Allerdings muss man sich bewusst sein, dass ein iBooks Textbooks aus Produktionssicht als eigenständige Publikation betrachtet werden muss. Während man PDF-Dokumente per Knopfdruck aus jedem Textverarbeits-, Präsentations- oder Layout-Programm generieren kann, muss ein iBooks Textbook von Grund auf neu aufgebaut werden. Dank iBooks Author – dass sich gut in die iWorks Suite (Pages, Numbers, Keynote) integriert – ist dies zwar nicht kompliziert, aber aufwändig. Man kann nicht einfach ein InDesign-Dokument oder eine PowerPoint-Präsentation in ein iBooks Textbook konvertieren, weil einerseits die Import-Funktion fehlt und andererseits die Konzepte zu unterschiedlich sind. Wenn man den Aufwand nicht scheut, wird man dafür mit ausgesprochen attraktiven digitalen Publikationen belohnt, welche die Vorteile von PDF-Dokumenten und E-Books kombinieren. Unter Umständen ist ein iBooks Textbook sogar eine kostengünstige Alternative zu einer App. Und wer Paid Content anbieten will, hat mit dem Apple iBookstore eine elegante Möglichkeit, seine Publikationen zu kommerzialisieren. So vertreibt auch die Y&R Group Switzerland ihre Booklets zur MUI-Studie über den iBookstore.

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